[Blogparade] Erinnerungen einer Zeitzeugin - die goldenen 20er -ue30Blogger

Als wir uns zu Beginn des Jahres bei den ü30Bloggern Gedanken über das nächste Thema für eine gemeinsame Bloggeraktion gemacht haben, lag es einfach nahe „die goldenen 20er“ oder auch „the roaring 20s“ auf den „Spielplan“ zu setzen.

Roaring Twenties - goldene 20er - ue30blogger - Blogparade
Wenn ich mich recht entsinne, legt Patricia die Idee auf den Tisch. So eine schöne, runde Jahreszahl – 2020. So eine werden wir nicht so schnell wieder vor die Linse bekommen.

Wenn das kein gutes Omen für ein gutes Jahr oder vielleicht sogar für ein richtig tolles Jahrzehnt ist, dann weiß ich es auch nicht. Meine eigenen 20er waren auch für mich selbst eines der spannendsten Jahrzehnte in meinem Leben. Abi machen, studieren, mich richtig frei fühlen, einfach leben und Mutter werden. In keinem anderen Lebensjahrzehnt ist so viel passiert, kein anderes bisher war so intensiv und mit so viel Neuem verbunden.

Die wilden 20er Jahre

Vielleicht üben die 20er Jahre deshalb solch eine Faszination auf die Menschen aus. Weil wir alle mit den 20ern das Junge, Wilde, Freie und Ungestüme verbinden. Aber wie waren sie nun wirklich, die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts? Zunächst mal so ganz global gesehen.

Die 20er Jahre - ein harter Neubeginn

Der grausame 1. Weltkrieg war seit 1918 zum Glück Geschichte. Klar ist natürlich, dass die Siegermächte wie England, Frankreich und die USA sich schneller davon erholten als Deutschland. Denn wir haben den Krieg verloren. Verletzte Kriegsheimkehrer, unterernährte Kinder und Epidemien quälten das Land. Viele Frauen mussten arbeiten. Meistens waren es Witwen. Politisch waren auch die Jahre nach 1923 noch sehr unruhig. Hitler versuchte zum damaligen Zeitpunkt schon einen Putsch. Mit der Wirtschaft ging es aufwärts, aber das Geld war unglaublich instabil. Es waren unruhige Zeiten und so konnte die Weltwirtschaftskrise ab 1929 auch Deutschland erschüttern.

Arbeiten. Vermutlich wird hier Getreide gedroschen. Ich vermute aber, das war in den 30er Jahren
Arbeiten. Vermutlich wird hier Getreide gedroschen. Ich vermute aber, das war in den 30er Jahren

Die Zeiten hatten sich geändert, die Frauen haben sich emanzipiert. Sie trugen die Haare und die Röcke kurz, gingen alleine aus und sorgten für den Lebensunterhalt. Coco Chanel hat diesen neuen Stil bereits Mitte des vorangegangenen Jahrzehnts in Frankreich an die moderne Frau gebracht. Auch in den USA war diese Mode angesagt. Obwohl der Roman „The Great Gatsby“ nicht unbedingt mit den Verhältnissen in denen die deutsche Bevölkerung lebte, verglichen werden kann, lässt er doch etwas von der trotzigen Aufbruchsstimmung erahnen, die in Deutschland geherrscht haben muss.

Hochzeitsbild meiner Urgroßeltern
Hochzeitsbild meiner Urgroßeltern

Wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung

Die Goldenen 20er stehen aber nicht nur für den täglichen Überlebenskampf der durchschnittlichen Bevölkerung, sondern auch für eine wahre Blütezeit der deutschen Kunst, Kultur und Wissenschaft. Was ich jetzt hier bisher geschrieben habe, lässt sich vermutlich so, oder so ähnlich in vielen Geschichtsbüchern über die Weimarer Republik nachlesen.

Aber wie war es denn nun wirklich? 

In diesem Fall kann ich tatsächlich auf die Erinnerungen einer Zeitzeugin zurückgreifen. Auf meine Großmutter. Die ist zwar gestorben, als ich 16 Jahre alt war. Aber sie hat immer bei uns im Haus gelebt, sodass ich mir viele Ihrer Geschichten immer wieder anhören wollte.

Die Kindheit meiner Großmutter

Heute möchte ich versuchen die Bruchstücke meiner Erinnerung daran für Euch zusammenzusetzen. Meine Oma wurde im August 1901 als Kind eines Müllermeisters im tiefsten Niederbayern geboren. Sie hatte viele ältere und auch noch ein paar jüngere Geschwister. Insgesamt wollte und konnte sich der Müller 13 Kinder leisten. Auch wenn die kleinsten drei das Grundschulalter nicht erlebt haben. Und auch einige andere das junge Erwachsenenalter nicht überlebt.

Die kleinsten waren zu schwach, die anderen starben an so „ungewöhnlichen“ Todesursachen wie „hat sich aufgehitzt von der Arbeit auf dem Feld, die Füße im eiskalten Mühlbach gewaschen, ist krank geworden und dann gestorben“ oder „hat einen Magendurchbruch gehabt“. Letzteres traf so ziemlich fast alle. Ich persönlich vermute, dass diese Menschen an einer Lebensmittelvergiftung verstorben sind. Wir dürfen nicht vergessen, damals gab es keine Kühlung und die Leute hätten niemals Nahrungsmittel weggeworfen.

Mein Großmutter (links) mit ihren Eltern, ihrem Sohn, zwei Knechten und Hund
Mein Großmutter (links) mit ihren Eltern, ihrem Sohn, zwei Knechten und Hund

Meine Urgroßmutter hatte ein massives Venenleiden, was bei 13 Kindern und harter Arbeit vermutlich nicht verwunderlich ist. Gott hatte wohl Erbarmen mit Ihr, sodass sie keine weiteren Kinder mehr zur Welt bringen musste. Man darf nicht vergessen, Kinder waren gute und billige Arbeitskräfte. Neben den Müllersgesellen und Knechten sorgten sie in Haus und Hof für Sauberkeit, Ordnung und die warmen Mahlzeiten auf dem Tisch.

Zwei ältere Schwestern meiner Großmutter, ca. 1911
Zwei ältere Schwestern meiner Großmutter, ca. 1911

Die Jugend

Die Mädchen kochten für alle. Und waren als Müllerstöchter natürlich alle firm, was die Zubereitung von Mehlspeisen betraf. Fleisch gabs eh nur am Sonntag. Und für die Versorgung mit Vitamin C sorgte die tägliche Krautsuppe, die alle mit einem Holzlöffel aus ihrer Kule im Holztisch aßen. Man braucht sich wirklich nicht zu wundern, die hygienischen Zustände waren eine Katastrophe.

Der älteste Sohn übernahm später die Mühle und die ebenfalls wasserbetriebene Säge, die noch bis in die 80er Jahre die einzige in der Umgebung war, wo besonders lange Bäume in Bretter zerteilt werden  konnten. Der nächste ging auf die Walz und blieb in Stuttgart bei einem Müller hängen, wo er die Tochter heiratete. Der dritte und letzte Bruder, der das Kindesalter überlebt hat, verlor als Jugendlicher beim Arbeiten seinen rechten Unterarm, sodass er irgendwie als Porzellanhändler tätig war und nicht als Müller.

Im heiratsfähigen Alter

Sonst warens alles Mädels. Wer nicht heiratete, verdingte sich als Köchin. Entweder in einem Hotel oder ging zu vornehmen Leuten in Stellung.

Zukunftsperspektive zweier Schwestern: Köchin in einem Hotel in Bad Wörishofen
Zukunftsperspektive zweier Schwestern: Köchin in einem Hotel in Bad Wörishofen

Eine der älteren Schwestern verstarb und hinterließ neben einem Großbauern zwei kleine Kinder.
Also fragte der Großbauer die nächste jüngere Schwester, ob sie ihn heiraten würde. Das war meine Oma. Die konnte ihn aber nicht leiden und lehnte ab.

In der Mitte meine Großmutter, links und rechts jüngere Schwestern
In der Mitte meine Großmutter,
links und rechts jüngere Schwestern
Dann wurde die nächste Schwester gefragt (hier rechts auf dem Bild). Und die sagte ja.

Bekam aber keine eigenen Kinder mehr. Sie überlebte den Mann und die nächsten zwei Gatten auch gleich noch. Mit 93 ist sie dann gestorben. Steinreich.

Meine Oma hatte sich verliebt. Und die Hochzeit mit dem Bräutigam war für nach der Ernte, dem Dreschen und dem Mehlmahlen anberaumt.

Es hätte eine Bayrische Hochzeit werden sollen. Man kauft die Katze nicht im Sack, meine Oma hätte mit ihrem Zukünftigen einen Bauernhof übernehmen sollen.

Aber wie gesagt, Kinder waren billige Arbeitskräfte. Hätte meine Oma keine Kinder bekommen können, hätte sie nur noch einen Witwer heiraten „dürfen“. Die Oma war also schwanger und 14 Tage vor der Hochzeit verstarb der junge Mann – an einem „Magendurchbruch“.



Die Aussichten als Alleinerziehende in den 20er Jahren

Wirklich dumm gelaufen. Mein Onkel wurde 1923 geboren. Als er 2-3 Jahre alt war, ließ sie ihn bei ihrer Familie und ging nach München um bei einem alten Oberst in Bogenhausen den Haushalt zu führen und für ihn zu kochen. Ich habe ewig nach dem Foto gesucht, wo er im Rollstuhl sitzt, mit dem Monokel auf der Nase, irgendwo am Isarkanal in München. Sie ist da auch mit ein paar Freundinnen ausgegangen, den „Weiß Ferdl“ haben sie gehört und an der Isar sind sie flaniert. Aber nach „roaring 20s“ hörte sich das für mich nie an. Nur nach viel Arbeit und wenig Perspektive.

In der Mitte wieder meine Großmutter, link die Schwester, rechts der Verlobte
In der Mitte wieder meine Großmutter, link die Schwester, rechts der Verlobte

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Also versuchte sie 1928 ihr Glück nochmal zu Hause und ließ sich mit dem gutaussehenden Apothekersohn ein, der Ihr schöne Augen machte und die Hochzeit versprach. Statt einem goldenen Ring bekam sie ein weiteres Kind. Wunderbar gelaufen. Das ging so natürlich nicht. Und sie musste zurück nach München, wo sie das Mädel dann auch zur Welt brachte.

Aber Glück im Unglück. Sie lernte meinen Opa kennen. Der nahm es ihr zum Glück nicht krumm, dass sie schon zwei Kinder hatte. Ganz im Gegenteil, er war der Meinung, dass mit einer Frau in diesem Alter und ohne Kinder irgendwas nicht ganz in Ordnung sein müsse. Leider liegt dieser Teil der Geschichte, bzw. die zeitlichen Details, für mich total im Dunklen. Ich habe meine Oma dazu nie etwas gefragt. Und sie hat es von sich aus auch nicht erzählt.

Hochzeitsbild meiner Großeltern
Hochzeitsbild meiner Großeltern

Aller guten Dinge sind drei

Wenig später müssen sie geheiratet haben. Der Opa wollte meine Tante adoptieren. Nope. Wollte meine Oma nicht. Der Typ sollte wenigstens zahlen, wenn er schon nicht zu Ihr gestanden hat. Mein jüngerer Onkel kam 1931 auf die Welt. Meine Mutter dann 1934. Besonders „golden“ und „glamourös“ hören sie die „20er“ meiner Großmutter auch heute nicht an, wenn ich das so aufschreibe. Eher nach viel Verlust und vielen Ängsten. Und ich bewundere sie heute sehr dafür, wie sie das durchgestanden und den Glauben an ein gutes Ende nie aufgegeben hat. Und letztlich kann ich es deshalb natürlich auch schätzen, dass es mir zeit meines Lebens, richtig, richtig gut gegangen ist.

Wie schauts aus? Interessiert Euch das? Soll ich in einem weiteren Beitrag noch ein paar Geschichten meiner Großmutter aus der Erinnerung kramen und über ihre Kindheit oder auch auch über die Zeit des 2. Weltkriegs etwas schreiben?


Was fällt Euch ein, wenn von den „goldenen 20ern“ oder auf Neudeutsch den „roaring 20s“ gesprochen wird? Lasst hören. Ich bin gespannt. Das Linkup bleibt wie üblich für den ganzen nächsten Monat geöffnet. Wer dabei sein will, kann hier nochmal alle Details nachlesen, die die Blogparade zu einer schönen und runden Aktion für uns alle machen können.

Kommt mir gut durch den Sonntag und lasst es Euch gut gehen
Sunny


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Kommentare

  1. Danke daß Du deine Familiengeschichte hier aufgeschrieben hast. Ich finde solche persönlichen Erinnerungen immer sehr interessant und ziehe Vergleiche zu meinem Leben. Ja , es geht uns heute in vielerlei Hinsicht besser als den Leuten damals. Unser Lebensstandard ist höher. Aber führt zunehmender Wohlstand nicht dazu, daß man sein gutes Leben nicht mehr zu schätzen weiß? Manchmal frage ich mich, wohin Deutschland steuert und wie es uns wohl in ein paar Jahren gehen wird....alles ist offen. Mich würde interessieren, wie unsere Kinder und Enkel irgendwann über uns denken werden. Ich werde es aber nie erfahren.Schade eigentlich.
    Liebe Grüße und Dir ein schönes Wochenende,
    Susan

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    1. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die darüber nachdenken, was nächsten Monat, nächstes Jahr.... anders sein wird als heute. Fest steht nur, dass heute anders ist als gestern. Sprich ich erwarte nichts, lasse alles auf mich zukommen. Ich bin keine Planerin, wenn keine Parameter greifbar sind. Konkrete Aufgaben, konkrete Planung ja. Pläne für die "Zukunft", nein.
      Wobei ich mein Leben sehr zu schätzen weiß. Es ist das schönste, beste und passendste, das ich mir denken kann.
      Ich hoffe, die Erinnerungen an mich werden mich eines Tages nicht "verkennen". Aber auch nicht "verklären". Aber wissen, nein, da hast Du Recht, wissen kann man das nicht. BG Sunny

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  2. Hallo Sunny, ein schöner Beitrag und schön etwas von deiner Familie zu erfahren. Bei meiner Oma in den 20ern nur viel Arbeit, Entbehrungen und nichts mit goldenen 20ern.
    Liebe Grüße Bo

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    1. Ich denke das ging wohl den aller, allermeisten Leuten damals so. Nur die werden natürlich nicht herangezogen, wenn man von den goldenen 20ern spricht. :-/
      BG Sunny

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  3. Sehr interessanter Beitrag über die Vergangenheit und über deine Familie! Eine spannende Geschichte!
    Wir haben etwas mit unseren Großeltern gemeinsam - meine Großeltern mütterlicherseits hatten ebenfalls 13 Kinder und alle erreichten das Erwachsenenalter! Heute leben noch 4! Ich habe nur einen von ihnen nicht kennengelernt, der vor meiner Geburt aus dem Krieg nicht zurückgekehrt ist.Gott sei Dank war meine Familie nicht direkt von den damaligen politischen Problemen betroffen!
    Liebe Grüße,
    Claudia

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    1. Das freut mich zu hören. Kinder durch Krankheit oder den Krieg zu verlieren, das ist einfach nur schrecklich. Zum Glück war es den meisten Deiner Verwandten vergönnt lange zu leben.
      BG Sunny

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  4. Gerne mehr davon!

    Das waren ja harte Sitten - unabhängig vom Pech Deiner Oma mit den ersten beiden Kerlen - im katholischen Bayern der 1920er Jahre: Erst schwängern, dann heiraten? Krass! Wobei es logisch ist, wenn die Ehe im Schwerpunkt zur Sicherung der Nachfolge sieht.

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    1. Wie heißt es bei uns so schön. Nach der Hochzeit hören die "Frühgeburten" dann auf. Da gibts schon das eine oder andere "Fünfmonatskind" in meinem Bekanntenkreis.
      BG Sunny

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  5. Ganz ehrlich, des wäre doch ein großartiger Roman! Was deine Oma so erlebt hat, hat alles dabei, was ein guter Roman braucht. Sagt man ja nicht umsonst, das Leben schreibt die besten Geschichten. Ich würd gern noch mehr darüber lesen.
    Heute hab ich noch meine Tante nach mehr Bildern zu meiner Oma als Kind und junge Frau gefragt. Leider sind die alle verloren. Ich hätt gern gewusst, wie die damals aussah.
    Liebe Grüsse Ela

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    1. Dann werde ich nochmal ein bisschen in meinem Hirnstübchen kramen. Wie gesagt, ich war erst 16 als sie starb. Heute würde ich fragen stellen, die mir leider damals noch gar nicht in den Sinn gekommen sind. Vielleicht tauchen die Bilder ja noch auf. Ich bin sicher, der Oberst mit dem Monokel ist noch hier im Haus. Die Frage ist nur, in welcher der 287 Schubladen... :-)
      BG Sunny

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  6. Ich finde die Geschichte Deiner Großmutter sehr berührend (und auch, dass Du noch so viel von ihr weißt, ist es doch schon lange her, dass sie Dir davon erzählte). Mit wieviel Unsicherheiten mussten Frauen damals leben und was mussten Familien damals leisten, das können wir uns gar nicht mehr vorstellen.
    Die 20er Jahre waren alles andere als gut, aber was davor war und was danach kam, war es leider noch viel weniger. So konnte dieser Mythos sich bilden.
    Gerade heute waren unsere 4 Enkelkinder im Alter von 2 - 4 Jahren zu Besuch bei uns mit ihren Eltern. Was sie sich wohl mal von mir merken?
    Ich habe heute meinen Kindern - nicht den Enkeln - von Tschernobyl erzählt und wie froh ich damals war, unbelastete Lebensmittel gehabt zu haben für meine Kinder (damals 5 und 2 Jahre alt), weil ich Vorräte hatte. Das war im Rahmen eines Gesprächs darüber, ob es sinnvoll ist sich zu bevorraten auch in der momentanen Corona-Virus-Zeit. Mein Mann und ich haben nämlich immer Vorräte für ca. 4 Wochen im Haus, was ich durchaus grundsätzlich für angemessen halte.
    Das Thema stieß durchaus auf Interesse bei meinen Kindern, was ich so gar nicht erwartet hätte.
    Die neuen 20er sind auch nicht ohne!
    Bin schon gespannt auf weitere Geschichten über Deine Großmutter.
    Herzlich grüßt Dich Sieglinde

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    1. Wir haben auch immer Vorräte im Haus. Ich kenne das von meiner Mutter und, lach, Oma auch nicht anders. Zwar nicht mehr ganz so umfänglich, wie die beiden. Aber mit drei Gefriertruhen kommt man doch schon ziemlich weit. Mehl, Eier, Milch, Butter, Salz habe ich auch immer ausreichend im Haus. Dazu gefrorenes Obst, Gemüse, Fleisch, Reis, Nudeln, Kartoffeln, Zwiebeln, Marmelade, Dosen, Wein (lach). Aber das ist natürlich auch immer eine Frage der Gewohnheit und des Platzes. In einem Haus kann man sich da viel besser ausbreiten und "aufstellen". Wobei das so eine Situation ist, die ich mir absolut nicht vorstellen kann. Das sind so absurde Filmszenarien für mich.
      Und klar, es gibt natürlich noch einen ganzen Schwung "mehr" an Erinnerungen, die ich mit mir rumtrage. Was hat meine Oma als Kind gespielt. Wie war es im Krieg. Und solche Dinge.
      BG Sunny

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  7. Ich glaub auch, dass auf dem Land und auch selbst in München damals nix von den "Goldenen Zwanzigern" zu spüren war! Den Leuten ging's vermutlich sehr schlecht, und kein Wunder, dass so viele gestorben sind - an "Magendurchbruch", das muss man sich mal vorstellen. Da macht man heute einen riesen Sress, was Hygiene etc. angeht, naja. Das gesunde Mittelmaß wäre auch hier angebracht.
    Ich finde Deine Familien-Geschichte auch echt spannend, solche Fotos hab ich auch noch von meinen Großeltern (als Kind, mit der Familie). Kinderreich waren sie alle! Mein Opa ist auf einem Schiff mit 12 Geschwistern aufgewachsen... "seine" Zwanziger Jahre waren wohl auch nicht so prickelnd! :-)
    Liebe Grüße, Maren

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    1. Monika hat auf Insta zu diesem Beitrag ins Feld geführt, dass es auch durchgebrochene Blinddärme gab, die damals sehr häufig zum Tod führten. Könnte ich mir als weitere Erklärung durchaus vorstellen. Dieser überzogene Putz und Waschzwang ist mir auch suspekt. Kein Mensch macht sich heute so dreckig. Damals wäre das viel eher angezeigt gewesen.
      Auf einem Schiff??? So "richtig" auf dem Meer. Das stelle ich mir ja heavy vor. Da kann man sich ja nicht einfach mal verdrücken, wenn einem die anderen auf den Keks gehen.
      Du hast Recht, das klingt alles andere als prickelnd.
      BG Sunny

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    2. Nein, nicht auf dem Meer, die waren Binnenschiffer auf dem Neckar und Rhein :-) Aber mit 14 ist er dann als Smutje (Küchenjunge) auf die "großen" Schiffe. Schon spannend.

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  8. Meine Großeltern sind alle in den 1930er Jahren geboren. Die kann ich nicht mehr fragen, wie es in den "goldenen Zwanzigern" aussah. Und die einzige Uroma, die ich noch kennen lernen durfte starb, bevor mich ihre Geschichten wirklich interessiert haben. Von daher finde ich es sehr spannend, ein bisschen was von deiner Familie zu lesen. Da meine Familie ja selbst auf dem Land lebt(e), wird es da sicherlich viele Parallelen geben und nicht viel "Gold und Gebrüll".

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    1. Ah, dann bist Du schon eine Generation weiter. Meine Eltern sind 34 und 37 geboren. Ganz klar, aber ich bin sicher die haben auch spannende Erinnerungen. Woher stammt Deine Familie? BG Sunny

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    2. Meine Familie ist im Sauerland (NRW) heimisch. Sicher haben die auch spannende Erinnerungen an damals. Meine Großeltern waren ja Kinder (beginnende Teenager) als es mit dem zweiten großen Krieg losging. Aber bisher konnte ich ihnen zu ihren Erlebnissen noch nichts entlocken. Es wird beharrlich geschwiegen. Was ich schade finde. Andererseits, wer weiß, was für schlimme Dinge sie da erlebt haben und nicht alles wieder aufwühlen wollen.

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    3. Echt? Sie schweigen, wenn Du sie direkt darauf ansprichst? Sowohl mein Vater als auch meine Mutter erzählen/erzählten immer ganz unspektakulär über ihre Eindrücke vom Krieg. Vielleicht weil sie noch jünger wahren, als sie ihn erlebten, es quasi gar nicht anders kannten und es für sie normal war. BG Sunny

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  9. Ich finde es sehr interessant. Von wegen goldene 20er. Für die meisten Menschen war es wirklich schwierig.

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Dann habe ich ja das richtige Thema für meinen Blogparaden Post gewählt. Ich freue mich, dass er so gut ankommt. Es war nicht ganz leicht, die richtige Spur zwischen zu persönlich und zu oberflächlich zu finden und dabei das Gefühl einzufangen, das mich heute beschleicht, wenn ich an Omas Erzählungen denke. Viele Geschichten habe ich mir immer und immer wieder erzählen lassen. Ich fand sie einfach spannender als Kinderhörspielplatten. Lach. Letztlich sind sie alle in meinem Kopf wie kleine Filme abgespeichert, die ich mir beim Zuhören ausgedacht habe.
      BG Sunny

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  10. Dankeschön für deine Familiengeschichte, tolle Bilder hast du ausgesucht und ja ich würde sehr gerne mehr davon lesen! Liebe Grüße Patricia

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    1. Das freut mich sehr, dass die Geschichte auch bei Dir gut ankommt.
      BG Sunny

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  11. Liebe Sunny,
    ich war jetzt richtig gefesselt. Bitte unbedingt mehr! Ich habe leider keinerlei Geschichten aus persönlichen Umkreis und würde es schön finden wenn du uns mehr erzählst!
    LG Natascha

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    Antworten
    1. Oh. Das nehme ich jetzt als Kompliment. Ich bin ja normal nicht so der Geschichtenschreiber, fachliche Texte sind es, mit denen ich Übung habe.
      Schade, dass es keine Erinnerungen an Familiengeschichten bei Dir gibt. BG Sunny

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  12. Liebe Sunny, so ähnliche Fotos gibt es in der geerbten Schachtel meiner Kleinen Oma (mütterlicherseits) auch. Die war Jahrgang 1903. Und ein paar Fotos der Großen Oma (väterlicherseits) habe ich ebenfalls; sie wahr Jahrgang 1905. Nein, ich glaube auch nicht, dass es für die einfachen ArbeiterInnen roaring oder golden war in den 1920ern. Das war es nur für die Reichen und vielleicht auch für jene Künstler, die mit den Reichen verkehrt haben. Eigentlich eh so, wie es teilweie auf der ganzen Welt ist und vermutlich auch in unseren Breiten wieder kommen wird - ein paar wenige haben Geld und Luxus und jeden Grund, es krachen zu lassen - und der Rest muss schauen, wie er durch die Tage kommt und sich selbst bzw. auch noch die Familie durchfüttert. Deine Oma muss für damalige Verhältnisse eine Powerfrau gewesen sein, wenn man bedenkt, wie viele Frauen sich wegen unehelicher Kinder das Leben genommen haben. Sie hat das zweimal durchgestanden und danach trotz alledem noch einen Ehemann gefunden. Er war vermutlich nicht die große Liebe, mag sein, dass sie deshalb nicht so viel darüber erzählt hat, aber er war offenbar für sie da. Viel mehr konnten sich Frauen damals vermutlich von einem Mann sowieso nicht erwarten...
    Ja, gerne mehr davon!
    Hab einen guten Start in die erste Märzwoche!
    Herzlichst, die Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2020/03/mein-tagebuch-vom-februar-2020.html

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    1. Jupp. Es gibt immer mehr super reiche und immer mehr sehr arme Menschen. Sogar hier in Deutschland. Und das beschämt mich ein bisschen. Und ich glaube dass es daran liegt, dass wir selbst zu sehr auf Rosen gebettet sind. Während des WK II und in den Jahren danach sind die Leute enorm zusammengerückt und haben sich gegenseitig am Schopf aus der Miesere gezogen. Heute haben die meisten von uns nicht die leiseste Ahnung was Krieg, Hunger und Tod bedeutet.

      Ich habe meinen Opa leider nie persönlich kennengelernt. Ich weiß nur, dass meine Mutter ihn vergöttert hat und das er ein sehr fleißiger, geselliger, beliebter und geradliniger (sturer Stier) Mann gewesen sein muss. Ein ganz oder gar nicht Typ.

      Sie hat immer gesagt, "und dann hob i an Bab'ba kennagleant. Und dann homma k'heirat". Damals klang das für mich so unumstößlich wie eine Prophezeiung. Heute denke ich, das war eine gute Entscheidung. Die beiden waren auch schon alt genug um zu wissen was sie wollen und was wirklich zählt. Nämlich dass man auf den anderen zählen und gemeinsam mit ihm etwas aufbauen kann.

      BG Sunny

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  13. Sehr spannend, die Geschichte deiner Oma. Und es Kling wirklich nicht nach goldenen Zwanzigern.
    Erstaunlich finde ich, dass die Katze nicht im Sack gekauft worden ist. Das war im Rheinland eindeutig anders. Da gab es auch nur wenige Frühgeburten. Aber eben auch einige kinderlose Ehen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    Antworten
    1. Das ist für mich interessant. Denn ich hätte wirklich gedacht, dass das mit dem "Kindermachen", wenn man verlobt ist, auch in anderen Regionen Usus war und ist. BG Sunny

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  14. Eine interessante Familiengeschichte hast Du. Leider habe ich keinen Zeitzeugen den ich fragen kann
    Ich lese das ein oder andere Buch was in dieser Zeit spielt. Da kann man sich schon
    das ein oder andere sehr gut vorstellen ;).
    LG heidi

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    1. Na, heute könnte ich auch nur auf meine "verbliebene" Lieblingscousine zurück greifen, die mehr oder weniger von meiner Oma großgezogen wurde. Und klar. Manchmal sprechen wir über unsere Oma. Und interessanterweise kennt diese wieder ganz andere Details. Weil sie natürlich 17 Jahre älter als ich, Entwicklungen innerhalb der Familie selbst erlebt hat. Und da sie zum Glück noch lebt, muss ich natürlich darauf Rücksicht nehmen und würde hier dann einfach nicht so ins Detail gehen (was ihre Eltern betrifft), wie ich es jetzt bei meiner Oma gemacht habe.
      BG Sunny

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  15. :-) Liebe Sunny,
    das ist eine sehr spannende und interessante Familiengeschichte. An dem, was unsere Großmütter früher leisten mussten, kann man erkennen wie gut es uns heute geht. Wir haben zwar andere Probleme heute. Solche, von denen unsere Großmütter nie geträumt hätten. Aber dieser unendliche Druck heiraten oder ins Kloster gehen zu müssen, die super schwere körperliche Arbeit, das Kindersterben...das habe wir nicht durchmachen müssen.
    Danke für den schönen Einblick in die alten Zeiten!
    Liebe Grüße
    Claudia :-)

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    1. Dass sich schwangere Frauen lieber das Leben genommen haben, als mit einer Schande zu Leben, vielleicht sogar aus der Familie ausgeschlossen und von der Kirche verdammt zu werden... finde ich einfach "abartig". Ich weiß, dass die Familie meiner Oma immer hinter ihr gestanden ist. Aber bei der Kirche bin ich mir da nicht so sicher. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, dass sie jemals in die Kirche gegangen ist. Außer wenn jemand beerdigt worden ist. Mit der Kirche hatte sie nicht viel am Hut. An Gott geglaubt hat sie aber schon, denn ich weiß, als keines Kind wollte ich immer am Abend mit ihr beten.
      BG Sunny

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  16. Danke Sunny, das interessiert mich total, und einen weiteren Beitrag sehr gerne! Passt perfekt, denn gerade gestern haben unser Sohn und ich mit meiner Mutter über ihre Vergangenheit und der ihrer Mutter geredet ... Das war damals wirklich alles andere als einfach und Deine Großmutter hat die 20er sicher auch nicht als goldenes Zeitalter gesehen.
    Liebe Grüße, Rena
    www.dressedwithsoul.com

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    1. Nein. Das hat sie nicht. Ich glaube sie war einfach nur froh, dass sie und die Familie alles so glimpflich überstanden haben. Ich habe sie auch nie hadern gehört oder bedauern, das es eben kam, wies gekommen ist. Sie war, so wenig wie ich, der Typ um zu beweinen was sich nicht ändern lässt. Immer eins nach dem anderen und sich selbst treu bleiben.
      BG Sunny

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  17. ich bin beeindruckt! dass diese fotos existieren (hier gibts aus dieser zeit 0,nix) und dass du diese geschichten alle kennst. ich hab ja früh die "heimat" verlassen, auf den kurzen besuchen war wenig zeit. aber ein paar geschichten aus dem berlin der 20er kenn ich von meinem opa, der hat da gelebt. meine oma war in den 20ern noch ein kind.
    die 20er waren sicher nur in den grossstadt-nachtklubs golden - und auch da war es nur talmi. "babylon berlin" zeigt das sehr deutlich, deshalb mag ich die serie ja. in berlin war dieses jahrzehnt wirklich "roaring" - brutal brüllend.
    freut mich sehr, dass es für deine oma noch ein happy end gab! xxxx

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  18. Oh Sunny ist das schön dass Du so viel über die Familie weisst. Und die schönen Fotos! Ich inde es sehr spannend und würde gern mehr solche Post lesen! Hoffentlich wieder mit Happy End :)
    Liebe Grüße Tina

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  19. Ein schöner Beitrag zum Thema. Auch das Thema selbst finde ich großartig.
    Die Fotos aus der Zeit sind beeindruckend. Wenn du dir die Zeit nehmen magst für einen Beitrag über das Leben damals, würde ich gerne lesen kommen.

    Liebe Grüße

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