[Filmkritik] Joker

Titel: Joker
Regisseur, Produzent, Drehbuchautor: Todd Phillips;
mit Joaquin Phoenix, Zazie Beetz, Robert De Niro, Brett Cullen

Kurz nach dem Filmstart, Mitte Oktober, haben Rudi und ich den "Joker" im Kino gesehen. Das Lächeln des schlecht geschminkten Clowns guckt uns seit einigen Wochen traurig von den Filmplakaten herab an. Wer den Film nicht auf dem Schirm hat, wird vermutlich annehmen, es wären noch ein paar übrige Plakate vom Es-Remake diesen Jahres.


Doch die beiden Clowns haben sowas von überhaupt gar nichts miteinander zu tun. Während der Clown bei Es einfach nur gehässig und böse ist, ist der Joker eine zutiefst verstörte, traurige Gestalt. Und außer, dass die Figur des Jokers in den Geschichten rund um den guten alten Batman die Rolle einer seiner Widersacher einnimmt, kann man sich den tragischen Film auch anschauen, wenn man für den Comic-Helden Batman und seine Verfilmungen nicht wirklich etwas über hat.

Batman und der Joker

Wie heißt es so schön, jede Generation hat ihren Batman. Ich vermute das stimmt tatsächlich. Obwohl es immerhin vier große Batman-Filmreihen, plus Lego-Filme mit Batman und eine weitere Reihe mit Batman-Animationsfilmen gibt. Diese Batman-Welten hängen aber weder inhaltlich noch zeitlich irgendwie zusammen. Ich konnte mich lange nicht für diese Figur begeistern. Und zwar genau so lange, bis die Dark-Knight-Trilogie von Christopher Nolan mit Christian Bale 2005 in die Kinos kam.


Der Joker in "The Dark Knight"

Hier war die Performance von Heath Ledger als Bösewicht Joker in „The Dark Knight“ (You-Tube) von 2008 schon mehr als beeindruckend. Dabei blieb ein Haufen gedanklicher Spielraum, was diesem Menschen wohl angetan worden war, um ihn zu solch einer kranken, boshaften Person werden zu lassen.

Der erste Kontakt

Obwohl der jetzt im Kino laufende „Joker“ offiziell mit der Dark-Knight-Trilogie nichts zu tun hat, gibt er ein hervorragendes Prequel dafür ab. Genau zu der Zeit, als Bruce Wayne in sehr jungen Jahren seine Eltern verliert, die letztlich willkürlich und vor seinen Augen in einer Seitengasse hingerichtet werden, kreuzen sich zum ersten Mal die Wege von Batman und dem Joker.

Die ideale Besetzung des Jokers

Der Name Joaquin Phoenix verspricht viel. Dreimal wurde er bisher für einen Oscar nominiert. Einmal für die beste Nebenrolle (Gladiator  2000) und zweimal für die beste männliche Hauptrolle (Walk the Line 2005 und The Master 2012). Aber der Name klang nicht nur verheißungsvoll, er hat auch alles gehalten, was er uns versprochen hat. Wenn ich nach einem Film „still“ bin, dann heißt das schon was. Ich bin zumeist beeindruckt und muss noch „nachverarbeiten“. Das war beim Joker auch der Fall.

Achtung Spoiler!

Die Geschichte von Arthur Fleck ist wirklich eine traurige. Er leidet an einer seltenen, psychischen Erkrankung und lebt zusammen mit seiner ebenfalls psychisch kranken Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Ob er nun wirklich adoptiert wurde, wie er im Laufe des Films herausfindet, oder ob er nicht doch der verleugnete Sohn von Thomas Wayne ist, bleibt offen. Fakt ist, dass er eine zwanghafte Lachstörung hat, die durch einen Hirnschaden in der Kindheit verursacht wurde. Und Fakt ist auch, dass er vom Lebensgefährten der Mutter schwer misshandelt worden ist.

Hier findet sich dann auch die Verbindung zu einem „späteren“ Batman Film. In diesem  erzählt der Joker (Heath Ledger ), wie er zu den mit Messern eingeritzten, hochgezogenen Mundwinkeln gekommen ist. Sein Stiefvater hätte sie ihm zugefügt, um ihn zum Lachen zu bringen. Im aktuellen Film gibt es aber keinen Anhaltspunkt, dass er sich an die ihm in der Kindheit erfahrenen Misshandlungen erinnern würde.

Der „Joker“ spielt wie alle Batman Filme in Gothem City. Die gefährliche, verwahrloste Ansicht New Yorks Citys. So, wie man sie Anfang der 80er auch tatsächlich dort vorgefunden hat. Eine dreckige Stadt, heruntergekommen. Reiche und viele, sehr viele arme Menschen, soziale Ungerechtigkeit soweit das Auge reicht. Der beste Nährboden für Unzufriedenheit, Gewalt und Verbrechen. Wenn die psychologische Behandlung von Arthur Fleck wegen fehlendem Geld für soziale Leistungen nicht ersatzlos hätte gestrichen werden müssen, wäre alles vielleicht ganz anders gekommen.
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Fazit

Uns hat der Film ausgesprochen gut gefallen. Von mir bekommt er 5 von 5 Sternen.
Tolle Schauspieler! Spannend ohne ein Aktionfilm zu sein, eher ein Drama. Unterhaltsam ja, aber mit viel Potential zur gedanklichen Nachbearbeitung. Gut ausgewählte Filmmusik. Ich glaube diesen Film kann man mehrmals gucken und man wird immer wieder neue Facetten an ihm und neue Details in ihm entdecken.

Kommt mir gut in und vor allem durch den Mittwoch, lasst es Euch gut gehen und bleibts ma gsund
Sunny

Kommentare

  1. Ich weiß gar nicht wann das passiert ist, aber es isst schon wieder Jahre her, das ich im Kino war. Warum auch immer habe ich selten bis wenig Lust/Zeit dazu. Zahlreiche Gutscheine sind schon verfallen.
    Und ich muss gestehen, auch dieser Film wäre/ist ohne weiteres an mir vorbei gegangen.
    Deine Rezi hört sich auf jeden Fall vielversprechend an .
    LG heidi

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    1. Wir gucken ja kein TV. Deshalb gucken wir natürlich neue Filme gern im Kino. Aber natürlich ist es etwas, was Rudi und ich gerne tun. Deswegen tun wir es auch gern gemeinsam. So hat da wohl jedes Paar auch seine Vorlieben. BG Sunny

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  2. Aus den bereits öfter erwähnten Gründen schau ich mir solche Filme ja gar nicht an. Gehört hab ich dennoch über den "Joker" mit Joaquin Phoenix, aber mir kommt es eh so vor, als würde ständig ein neuer Batman (oder Spiderman)-Film laufen... Die Figur des Jokers ist mir viel zu tragisch. Viel zu viel Realität. Aber für die, die das mögen, bestimmt ein toller Film.
    Liebe Grüße, Maren

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    1. Ja, ich kenne Deine Gründe und habe das auch durchaus verständnis dafür. Ob man etwas mag oder nicht, muss halt jeder auch selbst entscheiden. Ich selbst mag auch nicht immer alles.
      Batman gab es schon länger keinen. Aber Marvel und Disney hauen wirklich reichlich massentauglich (teure Produktion, teure Schauspieler) raus. Sie knebeln damit auch die großen Kinos. Und wir steuern hier tatsächlich auf ein Oligopol zu. Was für kleine Kinos und Nischenfilme nicht gesund ist. Es sit schlecht für die Kunst und für die Vielfalt. Und letztlich auch für den Zuschauer, weil er so nur noch Brot und Spiele vorgesetzt bekommt und kaum andere Filme gezeit werden.
      BG Sunny

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  3. joaquin phoenix ist ja wie gemacht für diese rolle - hat ja selbst eine "gebrochene" biographie.....
    ich mochte die verfilmungen von tim burton sehr - trotz aller tragik unterhaltsam, aber nie oberflächlich oder süsslich. und na dran am düsteren, bizarren marvel universum.
    xxxx

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    1. Aus der Batman "Warte" habe ich Tim Burton noch gar nicht wahrgenommen. Vielleicht sollte ich seinen Interpretationen auch eine Chance geben, es gibt nämlich in seinem Werk durchaus Filme, die ich sehr schätze.
      BG Sunny

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  4. Nicht wirklich ein Film für mich aber meine große Tochter wird ihn wahrscheinlich mögen. Auf jeden Fall erinnert mich dein Post daran, dass ich auch noch mal ins Kino gehen sollte.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. 5 von 5 wow der hat euch wirklich gefallen! :)
    Für mich ist das nix, zu viele gestörte beruflich, leider.
    Ich mochte den altmodischen wohl ersten Batman. Die waren nicht so bösartig....irgendwie.
    Liebe Grüße Tina

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    1. Das hat sich wohl in Deiner Erinnerung verklärt. Wer läuft schon in einem Fledermauskostüm herum, wenn er sich nicht wirklich bösartigen Widersachern gegenüber sieht.
      BG Sunny

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  6. Oh, ich glaube, der Film wäre nichts für mich, ich fände ihn einfach zu tragisch ... Danke für Deine Meinung!
    Liebe Grüße, Rena
    www.dressedwithsoul.com

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    1. Wenn man berücksichtigt wo Du beruflich "herkommst" und hier nicht steuernd eingreifen kannst, kann ich das wirklich verstehen. Das schlimme ist, dass er die Begegnungen mit der Sozialarbeiterin Glasklar analysiert und ihr das auch noch erklärt. Er ist sehr klug. Und sehr unglücklich. Eine brisante Mischung.
      BG Sunny

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  7. Wann immer ich Batman sehe, denke ich darüber nach, wie ich Robin als Teenager liebte ...kkkkk Good old times…..Heutzutage ist diese Art von Film nicht mein Favorit, aber ich denke, es muss sehr gut gewesen sein, um 5 Sterne von dir zu bekommen! Applaus!Vielen Dank für diese tolle Kritik!
    Liebe Grüße,
    Claudia

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    1. Er hat mich sehr berührt. Aber wie Du Dir denken kannst, nicht aus romantischen Gründen. Sondern weil dieser Mensch gefangen ist in seinen sozialen Strukturen und seiner Umwelt. Und ich glaube, er ist nicht der einzige. Wir können nur hoffen, dass nicht allzuviele solche "Zufälle" erleben müssen, die sie in eine ungute Richtung steuern.
      BG Sunny

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