[Filmkritik] Once Upon a Time in Hollywood

Werbung - sieht anders aus
Der neue Film von Regisseur Quentin Tarantino, „Once Upon a Time in Hollywood” stand vergangenen Sonntagabend auf unserer Liste. Als perfekter Abschluss für ein schönes, verlängertes Wochenende in Duisburg war der Kinobesuch geplant. Weil, Tarantino ist eigentlich immer eine sichere Bank für einen eindrucksstarken Film.


Tarantino, immer ein Garant für gute Filme?

Abgefahrene Drehbücher, schräge Handlungen, unkonventionelle Kameraführung, grotesk überzogene Effekte, ungeahnte Wendungen und überdurchschnittliche Schauspielleistungen. Ich möchte an dieser Stelle an volle fünf Sterne, wie
erinnern. Oder echte vier Sterne Filme, wie
  • Pulp Fiction, 
  • Kill Bill – Volume 1, 
  • Inglourious Basterds und 
wenn man so will, auch wie
  • From Dusk Till Dawn.

Ich weiß nicht exakt warum, aber ich kann Once Upon a Time in Hollywood nur drei Sterne geben. Und das auch nur deswegen, weil der 55-jährige Brad Pitt oben ohne so eine unglaublich gute Figur macht. Lach. Im Ernst.

Ist Once Upon a Time ein echter Tarantino?

Natürlich weist auch dieser Tarantino unkonventionelle Erzählstrukturen auf, es gibt die Großaufnahmen von Füßen und die berühmten „Red Apple“-Zigaretten finden natürlich auch ihren Platz. Aber der Film riss mich nicht wie gehofft vom Hocker.


Um was geht’s in Once Upon a Time?

Es geht um Western. Ich mag Western. Hab sie als Kind gern geschaut und habe natürlich auch das Meisterwerk „Der sich den Wolf tanzt“, ähh. Quatsch. „Der mit dem Wolf tanzt“ sehr oft gesehen.

Was hat mir gut gefallen?

Die Darstellung der Entwicklungen rund um die eigentlich friedvolle Hippie-Aera

Ich steh auf die späten 60er. Auf die Musik. Und auf den Grundgedanken, der diese Zeit prägte. Nämlich das, was man die Hippiezeit nennt. Aber es ist wie immer. Egal, ob es um die Diskrepanzen zwischen dem theoretischen Kommunismus und tatsächlich gelebten geht. Oder um die Grundgedanken der Hippiebewegung und Studentenrevolten von Mitte der 60er Jahre. Es scheitert immer daran, was die Menschen oder besser dogmatische, autoritäre Menschengruppen daraus machen. Es ist gut, sich gegen Ungerechtigkeit zur Wehr zu setzten. Es ist wichtig. Aber mit Gewalt Rache zu nehmen oder Ideale durchzusetzen ist immer, immer falsch.

Der Film zeigt Sozialkritik am Amerika der späten 60er

Gut gefallen hat mir Tarantinos Sozialkritik. Angefangen mit dem Vietnam Krieg und der Gewalt, denen die Soldaten auf beiden Seiten ausgesetzt waren. Bis hin zu den brutalen Krimis und Western, die den Kindern vor dem TV bereits in den 50ern und 60ern im Nachmittagsprogramm vorgesetzt worden sind. Was man hier lernte war, dass man einzig mit Gewalt Probleme lösen kann. Und dass die Guten immer gewinnen. Das ist falsch. Grundfalsch.

Der Film wirft schonungslose Blicke auf Hollywood hinter dem ganzen Glamour

Gut gefallen hat mir auch der Blick auf die nicht mehr ganz so jungen und erfolgreichen Schauspieler. Und wie Hollywood damals und heute mit ihnen umgeht. Es geht um Selbstzweifel und Alkohol. Und dass die wahren Helden eben nicht immer die sind, die im Rampenlicht stehen. Und: ganz wichtig, Freundschaft und Loyalität. Das sind die wichtigsten und nachhaltigsten Werte nach der Familie im Leben eines Menschen.



Kein Schaden ohne Nutzen

Und: last, but not least. Dass der Zufall immer eine große Rolle spielt. Tarantino schreibt die wahre Geschichte etwas um. Sharon Tate wird nicht getötet. Dafür sorgen der Cowboy und sein Stuntman. Und damit ergeben sich für beide völlig neue Chancen.

Die Filmmusik zu Once Upon a Time in Hollywood

Einfach klasse. Zeitlich einwandfrei eingeordnet und absolut auf den Punkt. Der Soundtrack ist auf alle Fälle ein Geniestreich. 

Was hat mir nicht gefallen?

Stellenweise fehlten mir einfach logische Teile, die unterschiedliche Filmsequenzen aneinander gebunden hätten. Zwischenzeitlich habe ich beim Gucken der Trailer und beim Surfen im Netz wohl des Rätsels Lösung gefunden. Es fehlen scheinbar haufenweise Filmschnipsel, gerade um die ominöse Figur Charles Manson, seine Rolle in diesem Film, herum. Und ehrlich gesagt, komme ich mir da als Kinobesucher verarscht vor, wenn Tarantino oder ein anderer Verantwortlicher mutwillig wichtige Teile zurück hält um den Film dann etwas später erfolgreich bei Netflix als Mini-Serie ins Rennen zu schicken.


Fazit:

Der Film hat gute Ansätze und war unterhaltsam. Deshalb bekommt er drei Sterne von fünf möglichen. Wenn Ihr mich fragt, muss man den Film wirklich im Kino gucken, muss ich sagen: ich weiß es nicht. Nein. Ich glaube nicht.

Und was hat der Film jetzt mit meiner neuen Tasche zu tun? Das verrate ich Euch ganz genau im nächsten Post, der hoffentlich nicht wieder so lange auf sich warten lässt. Kommt mir gut durch den Mittwoch, lasst es Euch gut gehen und leibts ma gsund
Sunny

Kommentare

  1. Ok da ich selten bis nie ins Kino gehe . Werde ich diesen vermutlich eh nur durch Zufall mit bekommen . Danke für die rezi
    LG Heidi

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    1. Du meinst im TV? Keine Ahnung. Da bekomme ich ja nix mit, weil ich keinen mehr habe.
      BG Sunny

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  2. Also, mir geben die Tarantino Filme jetzt nicht so viel. Ich kenne ein Haufen Leute, die echt begeistert von ihnen sind - aber ich konnte das noch nie so wirklich nachvollziehen. Nicht mal Pulp Fiction fand ich so supergut. Und "From dusk til dawn" finde ich grauenhaft. Ich glaub, ich check den Tarantino auch nicht. Ich finde den als Person auch eher unangenehm. Aber ich bin vielleicht auch nur zu doof :-)))
    Deine Love-Tasche finde ich dagegen echt nachvollziehbar ;-) und wunderschön! <3
    Liebe Grüße, Maren

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    1. Siehst Du, deshalb hat sich PF auch bei mir in vielen Jahren von einer drei auf eine vier hochgearbeitet. Aber da muss man sich schon erst "einfühlen", in Tarantinos Art Filme zu machen.
      Keine Ahnung. Ich habe absolut NULL persönliche Eindrücke gespeichert, die er selbst bei mir hinterlassen haben würde. Am ehesten würde ich ihn mit Jazz oder Brecht vergleichen. Es geht da nicht drum gefällige Popsongs in 3:20 min abzuliefern. Er will nicht so vorhersehbar sein und Filme mit Happy-End abliefern. Sondern er will wirklich Kunst schaffen. Auch solche, über die gern diskuttiert werden darf. Mit doof hat das nichts zu tun. Nur mit der eigenen Erwartung und Perspektive.
      BG Sunny

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  3. Hm ich guck die Filme nicht gern. Sind mir zu brutal oder abartig? Keine Ahnung. Ich hab dann ständig das Shirt überm Kopf, ich bin doch so ein heile Welt Mensch,zumindest in der Freizeit. Was für Dich Sozialkritik ist, ist für mich teilweise Menschenverachtung und ich weiss nicht obs daran liegt dass ich wie Maren zu dumm dafür bin. :))
    Was ich so mit viel Pulli überm Kopf mitbekommen habe war Django unchained ganz gut.
    Göga allerdings liebt die Filme :))
    Make LOVE not war... sehr süße Tasche ;)
    Liebe Grüße Tina

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    1. Also brutal sind sie schon. Aber in der Regel so grotesk brutal, dass man sofort erkennt, dass das Ketchup ist. Ich werte die überzogen brutalen Szenen wirklich als Stilmittel. Weil man sich das nichtmal in den künsten Momenten so ausmalen würde. Und weil ich glaube, dass die Realität durchaus Züge davon haben kann.
      Die von mir hier angeführte Sozialkritik fand hier echt statt. Da gings nicht um Menschverachtung. Der Amerikanische Staat setzte seine Bürger damals wirklich einem sinnlosen Krieg aus. Und zwar nicht nur freiwillige sondern auch gezogene, ganz junge Soldaten. Das prangert Tarentino an. Und ja. Kinder wurden damals schon vors TV gesetzt, wo den ganzen Tag "geschossen" wurde. Das ist nicht gut. Warum ist eine Schlüsselszene des Films, die möchte ich jetzt hier nicht verraten.
      Was passiert mit den alternden Schauspielern. Sie bekommen nur noch die Rolle des Bösewichts, können vielleicht noch nach Italien fliegen, um da vielleicht mit ein paar damals schwer angesagten Italo-Western was zu reißen. Sie haben selbstzweifel, Alkoholprobleme. Und wie im Fall der Hauptfigur hier wenigstens eine Frau und vor allem einen zu 100% loyalen Freund.
      Das war gut eingefangen.
      Dann werde ich Gögi beim nächsten Treffen fragen, wie ihm der Film gefallen hat.
      BG Sunny

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  4. ich ja grosser fan - tarantino macht die filme, die ich selbst gern drehen würde - wenn ich das talent dazu hätte :-D
    den neuesten werde ich mir dann wohl mal selbst anschauen müssen!
    xxxx

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    1. Dann hoffe ich, dass Du nicht ganz so enttäuscht bist wie ich. Ich hätte mir mehr Pauken, Trompeten, Feuer erwartet. BG Sunny

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  5. Ich würde sagen, ich suche mir einen anderen Film aus für die nächsten Tage. Den Grundgedanken dahinter finde ich gut aber mit Filmen, wo wichtige Teile fehlen, kann ich schlecht umgehen. Danke für deine ehrliche Meinung.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Wenn Du auf mein Urteil vertrauen willst, ehrt mich das sehr. Falls Du ihn doch guckst, lass mich wissen, ob Du meine Meinung nachvollziehen konntest. BG Sunny

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  6. Hallo liebe Sunny,
    "Und das auch nur deswegen, weil der 55-jährige Brad Pitt oben ohne so eine unglaublich gute Figur macht." :-))))))))))))))))))))))))))))))))))))))
    Ich hab mir schon sowas gedacht nach der Kritik im "TV Media" - die Filmkritiken dort treffen für mich zumeist recht genau den Nagel auf den Kopf (natürlich nicht IMMER). Die taten sich ein bisserl schwerer als sonst mit der Kritik und meinten jedenfalls auch, dass ihnen da etwas gefehlt hat. Tarantino-Filme (für mich an erster Stelle Django Unchained, an zweiter Inglourious Basterds) sehe ich normalerweise gern, mit der Brutalität komme ich bei all dem Ketchup auch gut zurecht. Als ich las, dass es u.a. um den Sharon-Tate-Fall geht, war ich aber davon überzeugt, dass ich das auf gar keinen Fall sehen will. Denn dass eine so schöne junge Frau - noch dazu eine schwangere - einfach abgeschlachtet wird, hat mich als Kind schwer schockiert. (Das stand damals in allen Zeitungen und ich kann mich noch daran erinnern.) Dein Hinweis, dass in diesem Fall KEIN Filmblut spritzen wird, gibt dem Film für mich wenigstens eine Chance, wenn es ihn denn mal im TV spielt...
    Hab noch einen angenehmen Abend!
    Alles Liebe, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2019/08/strand-picknick-monis-sommerfest-2019.html

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  7. Realität und Fiktion in einem Film, es klingt sehr interessant! Ich überlegt noch, ob ich den Film im Kino sehen werde oder nicht! Ich bin nicht der größte Fan seiner Filme, obwohl ich erkenne, dass er ein Genie ist! Vielen Dank für den Tipp!
    Liebe Grüße,
    Claudia

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  8. "Werbung - sieht anders aus" ist ja auch mal eine schöne Formulierung. Ein gelungener Film sieht offenbar auch anders aus :) . Ich bin kein Fan von Quentin Tarantino, ich kann mit seinen Filmen nichts anfangen. Entweder sind sie mir zu brutal oder ich schlafe dabei ein. Bei Pulp Fiction habe ich drei Anläufe gebraucht, um ihn bis zum Ende zu sehen und das auch nur einem Kerl zu Liebe. Das würde ich mir heute nicht mehr antun. Mein Mann ist allerdings Fan. Wir werden denn Film dann wohl auf DVD zusammen sehen, denn eins ist klar: Den sexy Herrn Pitt lasse ich mir nicht entgehen!

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  9. Ich mag Tarantino, zumindest die neueren Filme. Inglorious Basterds ist Weltklasse, Django und die Hateful Eight ebenfalls. Und deshalb habe ich im Urlaub dann auch Once upon a time gesehen. Die Ausstattung fand ich großartig. Die Handlung - äh ja. Ich weiß ja, dass Herr Tarantino sich Zeit lässt. Aber DAS war dann doch ein bisschen viel Zeit. Die Geschichte von Charles Manson - das seh ich genauso wie du - war absolut unbefriedigend. Da hätte ich mir ein paar Szenen mehr gewünscht, die man gern hätte an anderer Stelle einsparen können...
    Liebe Grüße
    Fran

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