[München] Glanz und Größenwahn

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Ende Juli feierte meine Cousine ihren 70. Geburtstag. Und da haben wir ihr natürlich ein besonderes Geschenk machen wollen. Es sollte etwas sein, was uns allen gefällt und wo wir Zeit miteinander verbringen können. Meine Cousine ist - wie ich - ein echtes Münchner Kindl. Und ich weiß, dass sie für Stadtführungen mit dem gewissen Etwas etwas über hat. Also haben wir sie auf einen historischen Stadtrundgang vom Odeonsplatz bis in die Maxvorstadt, hinauf zum Königsplatz beschenkt. Thema war dabei die faszinierende Historie eines der spannendsten Stadtteile unserer Geburtsstadt, die durch unterschiedliche Persönlichkeiten geformt und geschrieben wurde.

Mein Sohn ist ja sogar ein waschechtes Münchner Kindel, da sein Vater und ich selbst auch schon in München geboren worden sind. Und weil er schon immer sehr geschichtsinteressiert war, wollte er natürlich unbedingt bei der Stadtführung dabei sein. Rudi, als gebürtiger Niederbayer, konnte sich die ganze Sache natürlich auch nicht entgehen lassen.

Residenz und Feldherrenhalle München

Also sind wir am ersten Sonntag im September gemeinsam nach München an den Odeonsplatz gefahren. Vermutlich war das einer der letzten hochsommerlichen Tage bei uns hier in München. Außer uns vieren war noch eine ältere Dame aus Freiburg bei der online – auch kurzfristig – buchbaren Tour von „Meet the world“ dabei, die zusammen mit dem Geschichtsmagazin GEO-Epoche entwickelt worden und wirklich zu empfehlen ist. (Andere Städte sind auch noch im Portfolio.) Der exzellente, umfassend informierte Tourguide und eine Mitarbeiterin von „Meet the world“ vervollständigten unsere kleine Gruppe.

Wir starteten um 14 Uhr am Odeonsplatz, vor der Theatinerkirche (1), und machen uns auf eine ca. 2,5 Stunden lang dauernde Tour bis zum Königsplatz (2). Die Teilnehmerinnen unserer Münchner Bloggertreffen kamen an einigen dieser Orte sogar schon vorbei. Ich möchte hier an unser ue30Blogger Treffen im April 2017 erinnern. Das Bloggertreffen im Juli 2018 führte uns an den Königsplatz und das im Mai 2019 in den Hofgarten neben der Residenz. 

Königsplatz München

Unsere Route mit "Meet the world" war gespickt mit Fakten, Anekdoten und Bohème. Ludwig I. träumte von München als „Isar-Athen“ mit mediterraner Ästhetik. In der Brienner Straße, einer der Prachtstraße Münchens, lassen und ließen sich Paläste, Konzerthäuser und glamouröse Cafés aus dem vorletzten Jahrhundert bewundern, die von den Architekten Gärnter und Klenze entworfen worden sind. Wir sprachen nicht nur über Könige, sondern auch über die Zeit der Bohème und Avantgarde, in der sich die Künstlerszene Münchens frei entfalten und zum Ende des 19. Jahrhunderts hin hier gut entwickeln konnte.

Die Weltkriege und Weltwirtschaftskriese ließen dann aber den einstigen Glanz des frühen 20. Jahrhunderts verschwinden und mit Hitler wandelt sich das großbürgerliche München zur „Hauptstadt der Bewegung“. Wir beleuchteten also die Licht- und Schattenseiten unserer pulsierenden Stadt im Wandel der Zeit! Die meisten Gebäude und sogenannten Palais die wir auf unserer Tour sahen, sind noch da oder zumindest wurden die Fassaden erhalten und nur der Kern saniert.

Meet the world Tour München

Nehmen wir zum Beispiel das Wittelsbacher Palais (3) am gleichnamigen Platz. Es wurde von Gärtner für die Wittelsbacher erbaut und nach seiner Fertigstellung 1848 von König Ludwig I bezogen (Artikel der SZ), der im selben Jahr wegen seiner Affäre mit Lola Montez hatte abdanken müssen. Es stand in Sichtweite zur Residenz (4), wo fortan sein Sohn Maximilian II als bayrischer König regierte und auch residierte. König Ludwig dem I. haben wir nicht nur die enge Verbundenheit zu Griechenland zu verdanken, die klassischen Tempelbauten sondern auch das Oktoberfest, das anlässlich seiner Hochzeit mit Therese 1810 für die Münchner ausgerichtet wurde und seither, auf der nach ihr benannten Wiese, in fast jedem Jahr stattgefunden hat.

Nach dem 1. Weltkrieg, also ab  1919, wurde das Wittelsbacher Palais von der Münchner Räterepublik genutzt und im Anschluss, ab 1933, dann der Sitz der GeStaPo in München. 1934 wurde ein Gefängnis angebaut, in dem auch Sophie und Hans Scholl von ihrer Festnahme am 18. Februar 1943 bis zum Prozess am 22. Februar 1943 inhaftiert und verhört worden waren.

Bei den Luftangriffen auf München brannte das Wittelsbacher Palais im Jahr 1944 (Foto) aus und Teile stürzten ein. Das Gebäude wurde 1950 komplett abgerissen, ich nehme an, man wollte diesen Schandfleck nicht in der Stadt haben. Anfang der 1980er Jahre wurde an der selben Stelle die Zentrale der Bayerischen Landesbank errichtet. Die Gedenktafel haben wir natürlich auch gesehen. Sie erinnert an das Wittelsbacher Palais und seine Geschichte. Im Eingangsbereich der Bayrischen Landesbank gab es letztes Jahr eine Ausstellung zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl.

Wir auf der "Meet the world" Tour in München

Über unsere Tour gibt noch einiges interessantes zu berichten, aber für heute will ich es erstmal genug sein lassen. Kommt mir gut durch den Samstag, lasst es Euch gut gehen und bleibts ma gsund.

Sunny



Kommentare

  1. Klingt nach einer schönen Tour! Und auch gut, dass ihr das vor der Wiesn gemacht habt :)

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    1. Das wars tatsächlich. Unbedingt. Zur Wiesn meide ich die Stadt seit vielen Jahren. Das macht einfach keinen Spaß.
      BG Sunny

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  2. Schönes Geschenk für eine gemeinsame Unternehmung! Ich habe in Hamburg auch schon mehrfach an Stadtteilführungen teilgenommen und immer viel gelernt und Spaß gehabt dabei.

    Schönes Wochenende!

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    1. Ja. Normal macht man das ja immer in fremden Städten. In der eigenen viel zu selten.
      In Hamburg haben wir damals nur eine Rundfahrt mit dem Bus durch die "neue Hafengegend" gemacht. Und ich mein eine Bootsfahrt auf der Alster. Ob innen oder außen? Ging auf alle Fälle an einigen tollen Villen vorbei? Jil Sander? Hugo Boss?
      BG Sunny

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  3. Solche Stadtführungen liebe ich. Obwohl sie mir meist einen Tick zu lang sind und zu vollgespickt. Die Guides wissen einfach zuviel und wollen uns immer daran teilhaben lassen :-). Bei uns gibt es den Verein "Geschichte für alle", die haben wunderbare Touren.
    Ich finde es klasse, dass Ihr Deiner Cousine solch eine schöne Tour geschenkt habt. Das Gemeinschaftserlebnis noch dazu mit neuen Erfahrungen ist doch durch nichts zu ersetzen.
    Im Café Luitpold war ich übrigens im Juni zum ersten Mal. Hatte aber schon viel davon und von der Bohème dort gehört. Da mein Sohn, gleichen Namens wie Deiner :-), in der Maxvorstadt gewohnt hat, waren wir öfters in seiner Wohnung, wenn er verreist war. Daher kenne ich sie schon recht gut. Ein äußerst interessantes Viertel!
    Bin schon gespannt auf Deinen nächsten Post.
    Herzlich, Sieglinde

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    1. Das stimmt. Ich bin seit Wochen dabei die ganzen Infos für mich aufzuarbeiten und zu einem Bild zusammenzufügen. Das ist natürlich ein Teil der Geschichte, der nicht im Unterricht behandelt wird, da er auf die "große Weltpolitik" nur partiell Einfluss nicht.
      Eine Wohnung in der Maxvorstadt? Wow. das hätte mein L. auch immer cool gefunden. Kann sich da Mama aber nicht leisten.
      BG Sunny

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  4. danke für den kleinen trip nach münchen!
    beeindruckende architektur und sehr bewegte geschichte - schön dass auch das wetter mitgespielt bei eurer tour.......
    xxxx

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    1. Unbedingt. Bei schönem Wetter macht so eine Führung (wie alles andere auch) einfach am meisten Spaß.
      Dieser Nachmittag birgt so viel Potential für schöne Posts. Es wird sicher noch den einen oder anderen Blick durch meine eigene Brille hier zu lesen geben.
      BG Sunny

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    2. as ist ein schönes und zudem noch interessantes Geschenk, wie man sieht. 😁 Das Oktoberfest war also ursprünglich eine Hochzeitsfeier?! Ahaaa.
      Ich hab mich auch an unser schönes Bloggertreffen erinnert, beim Anblick der Bilder.
      Liebe Grüße Tina

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  5. Die Münchner Nazi-Vergangenheit ist ja sehr bekannt und ein leider sehr dunkler Fleck... immer wenn ich an der Feldherrenhalle vorbei gehe, hab ich ein mulmiges Gefühl, dort herrschen auf jeden Fall "Vibes"... ich finde, man muss die Geschichte auf jeden Fall kennen, wird ja auch im Geschichtsunterricht gelehrt. Auch die Hochzeit auf der Wiesn mit Therese und Ludwig, das lernen die Kids in der (Grund-)Schule. Interessant ist so eine Stadtführung auf jeden Fall und ich hoffe, deine Cousine hatte ihre Freude daran! Auf jeden Fall ein tolles Geschenk!
    Liebe Grüße, Maren

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    1. Wir Münchner haben da wohl einen recht großen, trüben Fleck. Es wurde in meiner Kindheit und Jugend überhaupt nicht thematisiert.
      Natürlich wurden von meiner Oma Begriffe genannt, wie "beim Gehlen drom". Das war der BND, 2 km Luftlinie. Führerbunker. Geschichten vom Krieg gab es nur sehr persönliche. Ob es wohl alle rechtzeitig in den Bunker schaffen. Dass wohl hoffentlich keine Bombe ins Haus einschlägt. Meine Mutter erzählte, dass sie bei Fliegeralarm immer die Bahngleise nach Hause von der Schule heim liefen, weil das am schnellsten ging. Und dass die Amis sie manchmal zwar beschossen, aber mutwillig daneben geschossen haben. Einer meiner Onkel war als Kradmelder auf der Krim.
      Und zu Weihnachten hat man sich eine Orange geteilt.
      Den 2. Weltkrieg haben wir in der 10. und in der 13. Klasse in jeweils einer Doppelstunde durchgezogen, bevor das Schuljahr zu Ende ging. Deutsche oder Europäische Nachkriegsgeschichte war da kein Thema. Die Machtergreifung haben wir besprochen. Was den Deutschen Reichstag geritten hat, das Ermächtigungsgesetz zu erlassen, ist mir bis heute nicht klar. Aber gefühlt, allein zeitlich, für mich als Kind so weit weg, wie eine Schlacht um Mittelerde.
      Da ich nie in München die Schule besucht habe, kam in HSU weder was über die Wiesn noch übers 3. Reich.
      Selbst meine Cousine, die 1952 geboren wurde und 45 Jahre beim FA - quasi nebendran - arbeitete, erfuhr neue Details und Einzelheiten. "Die Münchner" selbst, falls es sowas gibt, sind gut im wegblenden. Zumindest die, denen das "dritte Reich" nichts gebracht hat, als viel Ärger.
      Wie wir alle wissen (sollten) gab und gibt es - nicht nur in München - viele, reiche Menschen die Hitler aus Eigennutz unterstützt und finanziert haben.
      BG Sunny

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  6. Solche Stadtführungen finde ich klasse. Das war bestimmt sehr lehrreich. Ich erinnere mich gern an unser Treffen 2018.

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Ja, das Treffen war toll Sabine. Ein Nächstes sollten wir nicht mehr allzu lange auf die "Bank" schieben.
      Es war durchaus informativ. Ich habe für mich selbst viele Details zu einem Bild zusammenfügen können.
      BG Sunny

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  7. Eine Stadtführung in der eigenen Stadt finde ich großartig. Ich hatte vor gar nicht allzu langer Zeit eine "alternative" Hafenrundfahrt unter anderem zu Außenlagern von Neuengamme. Teilweise heftiger Stoff, auch wenn man sieht, wie die Stadtverwaltung damit so umgeht...
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Ein Besuch des Konzentrationslagers Dachau ist hier tatsächlich in der Oberstufe Pflicht. Und das ist wirklich bedrückend. Auch wenn man als "Einheimischer", vermutlich aus Selbstschutz, die Verbindung zu sich selbst - vor allem mit 18 - nicht herstellen kann.
      Wie geht die Stadtverwaltung damit um?
      BG Sunny

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  8. Und da ich München im Herzen habe, habe ich diesen Artikel sehr gerne gelesen. Sofort kamen mir gute Erinnerungen. Vielen Dank! :)
    Fabelhafte Geschenkidee, ich bin sicher, deine Cousine hat jede Minute genossen und ihr hattet alle einen richtig schönen Tag zusammen.
    Liebe Grüße,
    Claudia

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    1. Ja, es wird Zeit, dass wir uns mal wieder in München treffen. Ein fünftes Mail steht für uns beide ja auf dem Zettel. Trusted Blogs, Bunte Beauty Days, Königsplatz und Hofgarten.
      BG Sunny

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